Die Ausstellung « GROSS UND KLEIN » zeigt Werke von William Speakman und Sabine Hausherr, Adelheid Kreisz, Els Jordaens, Sarah Hillebrecht und und den Stipendiaten Lilla von Puttkamer, Katherine Newton & Katia Rudnicki, Roland Stratmann. Für den 25. Mai 2021 ist am Abend eine öffentliche Führung mit den Stipendiaten geplant:
DIE STIPENDIATEN STELLEN VOR
18.30 Uhr, Performances, Gespräch und Schlossführung, anschliessend die Performances «Grande Piccolo» von Adelheid Kreisz und Els Jordaens und «Unterliegen» von Sarah Hillebrecht
Hauptanliegen des Festivals ist das Zusammenspiel der verschiedenen Künste, mit der Ausstellung am Nachmittag und den Konzerten am Abend: ⇒ Download Programmübersicht als pdf
SCHATTENHAFT GROSS, TAUSENDMAL KLEIN
[PM] In der Ausstellung der Schlossmediale kann man sich dieses Jahr GROSS UND KLEIN fühlen und am eigenen Leib ergründen, wo diese Perspektive denn genau liegt, die uns unser Leben und uns selbst fast immer nur in Form von Grössenverhältnissen wahrnehmen lässt: William Speakman, einer der beiden Künstler im Fokus in diesem Jahr, spielt in seiner Installation INNER CHAMBER mit grossen und kleinen Räumen: «Einen Raum in einen anderen Raum zu stellen und ihm eine geheime Qualität zu verleihen, ist ein netter Gedanke», sagt Speakman. Inspiration waren die innersten Kammern antiker Tempel, die innerste Sphäre des Mantrimandir in Auroville, aber auch unser inneres Sein, das in unserem Körper lebt. Sabine Hausherr entwirft für diese Enge eine eigene Choreographie. Speakmans Video UNDERWATER spielt mit Mikro- und Makrowelten, die vor unserem Auge nur durch Projektion und Perspektive entstehen. Makrobilder einer Süsswasserwelt erhalten mittels Projektion überlebensgrosse Dimensionen.
Verhältnisse sind auch der zentrale Aspekt in den Installationen und Performances, die die vier Stipendiaten speziell für das Schloss Werdenberg entwickelt haben: Das Frauen-Duo Katherine Newton und Katia Rudnicki kreiert durch das Übereinander- und Aneinanderlegen von Körpern und Räumen neue Grössenverhältnisse und hinterfragt damit, welchen Massstab wir uns selbst geben. Verändern wir die Dimension unseres Körpers, verändern wir gleichzeitig das Verhältnis zu allem, was uns umgibt. Dieser Kreislauf zeigt den natürlichen Prozess von Verschiebungen und Überlagerungen, der feinen Balance von klein zu gross und gross zu klein.
Beim Höhlengleichnis des griechischen Philosophen Platon werden kleine Gegenstände vorbeigetragen, die als grosse Schatten an der Wand erscheinen: Die eigentliche Welt ist nur über diese Schatten sichtbar. Lilla von Puttkamer greift in HANNAHS HÖHLENGLEICHNIS dieses Bild auf. Sie setzt Platon als weiblichen Kontrapunkt die Philosophin Hannah Arendt entgegen: In ihrem Text über Sokrates schreibt Arendt, dass wir nicht wissen, was absolute Grösse ist, sondern nur, ob etwas grösser oder kleiner in Bezug auf etwas anderes ist. Puttkamer formt erfundene und gefundene Gegenstände und Beobachtungen zu kleinen Tonfiguren: Aus einem Spiel mit Licht und Schatten, mit Massstäben und deren Vertauschung entsteht eine ortbezogene und vielschichtige Installation.
Auch Roland Stratmanns Installation stellt Fragen nach Standpunkt und Blickwinkel von Gross und Klein, nach den globalen Auswirkungen vermeintlich lokaler Ereignisse. Für seine Installation GLOBULI, wählt Stratmann aus seiner Sammlung unzähliger, aus der Schweiz in die ganze Welt versendeter Postkarten 600 Karten aus 10 Dekaden aus und fügt sie zu riesigen Tableaus zusammen: Bildteppiche aus hunderten individuellen Handschriften, die er mit Tusche und farbigen Textbändern überschreibt. So entsteht eine Überlagerung von kleinen und grossen Text- und Bildelementen.
In der Turmzinne sind Stratmanns SHADOWS zu sehen, kleine Skulpturen, geflochten aus einem zusammenhängenden schwarzweissen Datenkabel: Wie kleine Gnome oder Geister scheinen sie fragil auf ihren eigenen Schatten zu balancieren.
Adelheid Kreisz war schon als Kind fasziniert davon, wie weit ihr eigener Schatten über sie hinauswachsen konnte. Schattenwesen können ihre Gegner in Windeseile überragen. Die Flötistin Els Jordaens haucht ihnen auf grossen und kleinen Flöten Leben und Charakter ein: Figur und Objekt, Geräusch und Musik inspirieren, ergänzen undwidersprechen sich und erzählen in der Performance GRANDE PICCOLO eine Geschichte.
Sarah Hillebrecht war schon 2017 zum Thema IDYLLE bei der Schlossmediale zu Gast. Die Bildhauerin hat von der Skulptur zur Performance gefunden: «sculpture performances erlauben mir, in einen Dialog mit dem Publikum zu treten.» In UNTERLIEGEN visualisieren vier kleine Holzskulpturen einen emotionalen Zustand, wie wir ihn alle kennen: Wir werden besiegt, wir unterliegen den eigenen (inneren) Dämonen oder anderen (äusseren) Kräften.
Einen grossen Platz bekommt auch ein kleiner Fisch, der schon in die Herzen vieler Generationen geschwommen ist: Swimmy. Als einziger Überlebender eines grossen Schwarmes wagt er sich aufs offene Meer, wo er viele andere kleine Fische trifft und sie ermuntert: Lasst uns gemeinsam einen riesigen Fisch bilden, vor dem sich die grossen Fische fürchten! Vom italo-amerikanischen Grafiker Leo Lionni in den sechziger Jahren entworfen, ist Swimmy als Sinnbild für «Gemeinsam sind wir stark» zu einem erfolgreichen Kinderbuch avanciert. Im Schloss wird er in bewegten Bildern auf grosser Leinwand zu sehen sein, animiert von Wiebke Pöpel und begleitet vom schottischen Harfenduo Sìleas.
Permanenter Teil der Ausstellung ist die Audiovideoinstallation TU MICH NICHT VERLASSEN (2009). In ihr bringt die in Grabs geborene, international bekannte Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist Bettwäsche zum Leuchten.
Freitag, 21. Mai
VERNISSAGE
20.00 Uhr
Samstag, 22. Mai – Sonntag, 30. Mai
AUSSTELLUNG
täglich geöffnet, die genauen Zeiten finden Sie in der →Programmübersicht!
Samstag, 22. Mai – Sonntag, 30. Mai
PERFORMANCES
«Unterliegen» mit Sarah Hillebrecht
Schattenspiel «Grande Piccolo» mit Adelheid Kreisz und Els Jordaens
täglich, die genauen Zeiten finden Sie in der →Programmübersicht!
Samstag, 22. Mai – Sonntag, 30. Mai
DURCH GROSS UND KLEIN
15.30 Uhr, Führung durch die Ausstellung
Und:
Die Schweizer Schauspielerin und Sängerin Delia Mayer rückt am Mittwoch, 26. Mai in einem eigens für die Schlossmediale geschaffenen Literaturkonzert zusammen mit dem Perkussionisten Fabian Ziegler erzählend und singend die Abgründe und Höhen der «kleinen Leute» in den Mittelpunkt. Denn in der Literatur sind sie seit jeher Thema, die kleinen Leute – sei es Shakespeare, Büchner oder Brecht, aber auch bei Dickinson, Bichsel, Fallada und Strauss. Aber wer sind sie eigentlich wirklich, diese «kleinen Leute»? Und wo stehen sie im gesellschaftlichen Klein und Gross, diesem ewigen Spiel zwischen Aussenseitertum und Anpassungszwang, zwischen Dabeisein und Bedeutungslosigkeit?
Trailer zur Einstimmung: https://youtu.be/zgjuNxxE5C0
© Schloss Werdenberg https://schlossmediale.ch/gross-und-klein-ausstellung


